Zwillbrock – Moor und Flamingos

15 September 2017
durch: Jutta

Ein Fleckchen Erde, das sich an die Grenze schmiegt, ein Sumpfgebiet, in dem rund 60 Vogelarten brüten, eine Bauernschaft, deren einer Teil sogar in den Niederlanden liegt: Zwillbrock diesseits der Grenze, Zwilbroek drüben bei unseren niederländischen Nachbarn. Natürlich sind die Zwilbroeker Niederländer, aber irgendwie gehören die Menschen in diesem Landstrich für mich doch zusammen.

Zwillbrock – Barocke Perle im Münsterland

Nach dem Ende des 30-jährigen Kriegs, der ganz Europa auf den Kopf gestellt, neue Macht- und Religionsgefüge geschaffen hatte, ließen sich in Zwillbrock Minoriten nieder. Gerade erst hatten sich die Niederlande als Protestanten vom Heiligen Römischen Reich abgespalten. Da tat Seelsorge für die katholischen Holländer not. So jedenfalls dachten die Ordensbrüder. Aus der kleinen Mission wurde ein Kloster, schließlich eine prächtige Kirche: St. Franziskus, eine barocke Schönheit.

Zwillbrock

In Zeiten der Intoleranz hatten Minderheiten es hüben wie drüben nicht leicht. Man ging damals nicht gerade zimperlich miteinander um. Umso erstaunlicher finde ich, dass das katholische Gotteshaus die Wirren der Jahrhunderte nahezu schadlos überstand. Also unbedingt besuchen, über die Pracht der Innenausstattung staunen, vielleicht sogar bei einem der schönen Klassikkonzerte den Klängen der imposanten Orgel lauschen. Gänsehaut garantiert und dem Himmel so nah!

Zwillbrock

Zwischen lautstarken Möwen und rosaroten Flamingos

Vermutlich sind die ersten Exemplare aus einem Tierpark ausgebüxt. So ganz genau weiß das niemand. Bis zu 35 Flamingos kann man zwischen März und Juli im Zwillbrocker Venn beobachten. Nach ihnen ist sogar die kleine Insel benannt, auf der sie sich am liebsten aufhalten. Neben den rund 10.000 lärmenden Lachmöwen, übrigens die größte binnenländische Kolonie in ganz Deutschland, nimmt sich die Gruppe der Flamingos zwar äußerst bescheiden aus. Doch an Exotik sind die eleganten Vögel nicht zu übertreffen. Und überaus fotogen. Am besten lassen sie sich vom Hochstand gegenüber der Flamingoinsel beobachten. Wer kein eigenes dabei hat, kann die Exoten mit dem Besucherfernrohr heranzoomen.

Zwillbrock

Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn

Zwillbrock

Dort, wo heute das Venn liegt, wurde früher übrigens Torf gestochen. Zurück blieb eine Mulde, die sich langsam mit Wasser füllte und zu einem einzigartigen Lebensraum für Vögel, aber auch andere Lebewesen und selten gewordene Moorpflanzen wurde. Insgesamt sollen rund 60 Vogelarten im Naturschutzgebiet und in den angrenzenden Feuchtwiesen Ellewicker und Krosewicker Feld sowie dem benachbarten Ammeloer Venn brüten.

Zwillbrock

Ein Wanderweg, der sich über rund 6 Kilometer durch die Moor- und Heidelandschaft schlängelt und auch für ungeübte Wanderer leicht begehbar ist – Ich rate zu festem Schuhwerk, da es auch mal matschig werden kann! – führt durch lichte Waldstücke, vorbei Heide, die im Herbst farbenprächtig blüht und einmal rund um den Lachmöwensee. Mit ein wenig Glück können Wanderer auch grasende Moorschnucken beobachten, die hier von der Biologischen Station zur Beweidung und Pflege der Naturlandschaft gehalten werden.

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Moorschnucken und westfälische Küche in Zwillbrock

Das Fleisch der Moorschnucken soll übrigens sehr schmackhaft sein und wird mehrmals im Jahr von der Biologischen Station vermarktet.

Zwillbrock

 

Ob nach dem Konzert, zum Abschluss einer Radtour oder Wanderung durchs Venn bei Vreden: Wem der Magen knurrt, der findet den Himmel auf Erden gleich gegenüber der Barockkirche im ländlichen Restaurant Kloppendiek. Im Sommer hausgemachten Kuchen im Biergarten genießen, bei kühleren Temperaturen typisch westfälische Küche in der gemütlichen Stube drinnen.

 

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